Besser leben - Doro Raht

Selbst-Mitgefühl – empathisch auf sich eingehen!

Viele Menschen gehen auf eine Art mit sich um, auf die sie andere Menschen nie behandeln würden – kritisch, abwertend, demoralisierend. Diese Selbst-Sabotage kostet Kraft und macht auf Dauer unglücklich. Zeigen Sie Verständnis für sich, trösten sich, bestärken sich und lassen Sie Fünfe auch mal Gerade sein, kurz: behandeln Sie sich selber mit Mitgefühl, so wie Sie von Ihren Liebsten behandelt werden möchten.

Wie sprechen Sie mit sich?

Wie sprechen Sie mit sich selber? Ich meine nicht laut vor sich hin, sondern was sagt Ihre innere Stimme, Ihre Gedanken. Was sagt die innere Stimme Ihnen, wenn Sie das Sofa mal wieder der Yoga-Stunde vorgezogen haben? Sagt sie: „Ach, dann ist wohl heute mal ausruhen dran, genieße es“. Oder eher: „Typisch, nun hast Du es schon wieder nicht geschafft Dich aufzuraffen. Du bist so faul, kein Wunder, dass Du die überzähligen Pfunde nicht los wirst!“ Viele ertappen sich dabei, erschreckend abwertend und gemein zu sich selber zu sein. „Immer machst Du alles falsch“, „Das schaffst Du nie“, „Wieso stellst Du Dich so an?“, und „Warum kannst Du nicht einfach anders sein?“ sind Sätze, die wir vermutlich nicht zu unseren Freunden, Partnerinnen oder Kindern sagen würden – zu uns selber aber schon. Vielleicht haben ein paar dieser unschönen Sätze ihren Ursprung in der Kindheit und wurden von Vater, Mutter oder anderen gesagt. Ein besserer Umgang mit sich selber kann genau bei dem inneren Sprechen mit sich beginnen.

Selbst-Mitgefühl entwickeln

Menschen, die Selbst-Mitgefühl haben, akzeptieren sich selber, nehmen sich liebend an und verstehen sich. Sie schätzen sich mehr und nehmen sich selbst wichtig. Auch das Selbstwertgefühl ist darum bei Menschen mit Selbst-Mitgefühl stärker ausgeprägt. Doch wie kann der Weg zu mehr Mitgefühl mit sich nun aussehen? Als Übung können Sie sich erst einmal beobachten: wie gehen Sie mit sich um, wie sprechen Sie mit sich, wie finden Sie sich? Dann machen Sie sich bewusst, wie Sie mit Menschen die Sie lieben umgehen. Alternativ können Sie sich auch – unabhängig davon, ob Sie Kinder haben – vorstellen, wie Sie mit einem Kind umgehen möchten. Wenn das Kind weint, würden Sie es beispielsweise ernst nehmen in seinem Leid und fragen was passiert ist. Sie würden es trösten und wenn es sich beruhigt hat, vielleicht Lösungen für das Problem vorschlagen oder etwas Schönes zusammen machen. Wenn Sie selber einmal besonders niedergeschlagen und traurig sind, könnten Sie sich nun vorstellen, Sie gehen mit sich um, wie mit einem Kind. Statt das Gefühl genervt zu ignorieren oder beleidigend und unempathisch zu reagieren, würden Sie sich ernst nehmen, Verständnis zeigen und sich trösten. Kurz, Sie würden sich mit dem Versorgen, was Sie in dem Moment brauchen. Fühlt sich das nicht viel besser an? Üben Sie dieses Vorgehen zunächst ganz bewusst und Sie werden sehen, dass Sie immer mehr Selbst-Mitgefühl entwickeln!

Selbstwertgefühl steigern

Durch wachsendes Selbst-Mitgefühl wächst auch das Selbstwertgefühl. Man lernt, die eigenen Stärken zu schätzen und die eigenen Schwächen zu verstehen und akzeptieren. Man nimmt sich ernst und kann ebenso mal über sich selber lachen. Jeder Mensch ist einzigartig und genau so richtig. Jeder Mensch möchte bedingungslos geliebt werden – so wie er oder sie ist. Wenn man versteht, dass das auch für einen selber zutrifft, führt das zu mehr Selbstbewusstsein, Milde und Verständnis im Umgang mit sich selber. Wenn ein Teil des Selbst sich kontinuierlich abwertet und so selber sabotiert, kostet dies viel Kraft. Selbst-Mitgefühl zu entwickeln, ist also ein guter Weg zu mehr Liebe zu sich selber. Und dadurch wird dann auch die Liebe zu anderen leichter. Wenn man lernt, besser mit den eigenen Emotionen umzugehen, wird man auch im Umgang mit anderen Menschen erwachsener und mit mehr Selbst-Verantwortung agieren. Man versorgt sich nämlich selber emotional mit Bestärkung, Bestätigung, Anerkennung, Wertschätzung und Trost. Dinge, die viele Menschen sich im außen, von anderen Personen erhoffen. Durch Selbst-Mitgefühl lernt man also auch mehr Verantwortung für sich selber zu übernehmen und kann so freier zwischenmenschliche Beziehungen eingehen.

Nun starten Sie gern selbst damit und machen sich ein riesen Kompliment… Viel Spaß dabei!

Fotoquelle: (c) iStock.com/mheim3011


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Dr. Laura Stoiber

48 Bewertungen

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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